SCHAUFENSTER 4 KOLUMNE MAI 2014 Liebe Leserinnen und Leser, „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“ - so die Textzeile eines bekannten Musicals. Und damit wird für viele Menschen etwas beschrieben, das den Sommer für so manchen von uns mitunter zur Tortur machen kann: Die Allergie. Denn nicht nur in Spanien grünt und blüht es, auch hier zu Lande feiern die Pollen eine große Wiedersehensfeier. Zwar tun sie das schon seit Februar, aber die Hochsaison startet erst mit den Gräsern so richtig. Zu den Glücklichen gehören dann diejenigen, denen ein Nasenspray ausreicht. Viele aber müssen Kortison gespritzt bekommen und/oder kortisonhaltige Sprays oder Tabletten einnehmen. Und auch wenn ich grundsätzlich Kortison eher kritisch sehe, ist es für viele Menschen unumgänglich, bisweilen sogar lebensrettend. Ich selbst war jahrelang auf die Einnahme dieser Medikamentengruppe zwingend angewiesen und bin heute sehr dankbar, es nicht mehr zu benötigen. Was die Frage aufwirft, ob es jedem möglich ist ein Allergie freies (oder kortisonfreies) Leben zu führen. Die Antwort hierauf kann nur heißen: „Das kann niemand wissen“. Was wiederum bedeuten kann: „Ja, warum eigentlich nicht?“ (In meiner Arbeit fokussiere ich lieber die positive Sichtweise!). In meiner Praxis kann ich sowohl die kosmetischen, als auch die psychischen Aspekte der Allergie täglich sehen, denn sie spielen eine nicht unerhebliche Rolle. Und nach über 20 Jahren Berufspraxis konnte ich Dinge beobachten, die ich heute mit Ihnen teilen möchte, und die vielleicht den einen oder anderen von Ihnen auf neue Ideen oder Lösungen bringen. Zunächst einmal sollten Betro ene bei einem Arzt (vorzugsweise der Allergologe oder Hautarzt) feststellen lassen, ob es sich tatsächlich um eine Allergie handelt. Denn dies ist nur im Blut nachweisbar (durch bestimmte Antikörper). Unverträglichkeiten sind etwas völlig anderes, haben aber sehr oft genau die gleichen Auswirkungen. Zum Beispiel haben die meisten Menschen eine Unverträglichkeit auf Milch(-Zucker). Trotzdem wird Milch in jeder Form sehr umfangreich konsumiert (Joghurt, Drinks, Eiscreme). Viele merken dabei gar nichts, andere wiederum haben leichte Bauchschmerzen oder einen geblähten Bauch nach dem Genuss von Milchprodukten. Das sind Unverträglichkeiten oder auch eine Laktoseintoleranz. Allergien sind meist begleitet von dramatischen Reaktionen der Schleimhäute oder von heftigen stark juckenden Augen oder Hautarealen (Ausschlag, Neurodermitis u.ä.). Außerdem haben alle - wirklich alle - Allergiker, die ich betreut habe oder betreue, eine sehr trockene und zarte, dünne Haut. Eine Unverträglichkeit auf eine Creme zum Beispiel gibt es nicht - wohl aber eine allergische Reaktion. Diese wiederum äußert sich aber nicht nur in einem bestimmten Bereich des Gesichts, sondern natürlich im ganzen Gesicht! Denn es ist nicht nur das Kinn, das allergisch reagiert, sondern entweder die ganze Haut, die mit der Creme in Kontakt kommt. Viele Kunden, die über trockne, rote, juckende oder gar schuppige Stellen klagen (besonders im Winter!), verwenden einfach eine für sie ungeeignete Pfl ege. Meist eine, die zu wenig Fette und Pfl egesto e liefert. Diese Kunden haben also weder eine Allergie und auch keine Unverträglichkeit, sondern sind oft in der Pfl ege der Haut unterversorgt. Eine professionelle Beratung bei einer guten Kosmetikerin sollte hier rasche und dauerhafte Linderung bringen. Und ein weiterer Punkt sollte zum Nachdenken anregen: Als Heilpraktikerin für Psychotherapie sollten die psychischen Anteile einer Allergie (bei einer Unverträglichkeit entfällt dies!) mit einbezogen werden. Damit will ich sagen: Allergien sind nicht (nur) psychischen Ursprungs, aber jede Allergie hat AUCH einen psychisch bedingten Anteil. Und dieser kann sehr klein, aber auch groß ausfallen. Hilfreiche Überlegungen können sein: Wie genau fühlt sich Ihre Allergie denn an? Steht der Juckreiz im Vordergrund? Brennt es mehr oder bekommen Sie vor allem keine Luft mehr? Ich selbst arbeite dann gerne mit den Volksweisheiten, die in der Tat oft weise sind und oft auf die richtige Spur führen. Zum Beispiel: „Wo brennt es denn wirklich?“ oder „Wer oder was nimmt Dir denn die Luft zum atmen?“ Ein spannendes, für viele auch heikles Thema, das aber auf jeden Fall einen Blick darauf wert ist. Ebenso Überlegungen zur täglichen Ernährung. Gerade bei Ernährungsberatungen erlebe ich immer wieder, dass sich Allergien deutlich bessern, wenn bestimmte Nahrungsmittel eingeschränkt oder ganz weg gelassen werden. Albert Schweizter sagte einmal, dass er, bevor es Dosen in Afrika gab (er meinte die mit Essen drin), niemals bei den Eingeborenen Krebs gesehen hat. Diese Aussage ist nun schon viele Jahr her, gibt aber doch zu denken. Ich ho e, dass ich Ihnen heute neue Anregungen und Ideen mitgeben konnte, Allergien und/ oder Unverträglichkeiten auch aus anderen Blickwinkeln zu sehen. Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren und vor allem gesunden, leichten Sommer! Und unserer Fußballnationalelf viel Glück in Brasilien. Herzlichst, Ihre Lisa Kettenring
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